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Gleismannsbahnhof

Dachgeschoß / DG 1: Ich, Gleismann

 

Um es mit den Worten eines bekannten, leider inzwischen verstorbenen internationalen Popsängers zu sagen:
"Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich nicht bahnverrückt war!"

 

Karsten im Alter von etwa eineinhalb Jahren beim Spielen mit einer kleinen Holzeisenbahn im elterlichen Wohnzimmer.Die Grundlage für meine Eisenbahnverrücktheit haben meine Eltern, gewiß ohne jegliche Absicht, bereits vor meiner Geburt gelegt: Im Jahr 1964 zogen sie in eine Neubausiedlung im nördlichen Teil von Hamburg - Lurup in Hörweite des ehemaligen Rangierbahnhofes Eidelstedt. 1967 kam ich dann zur Welt und hatte in den ersten zehn Jahren ein Zimmer in Blickrichtung auf den Rangierbahnhof, von dem ein Stück vor allen in der laublosen Zeit gut zu sehen war. Zu hören war er das ganze Jahr über.

Mein Vater malte für mich im Wohnzimmer mit weißer Farbe eine Dampflok an die noch kahle Wand, die, inzwischen von einer Tapete verdeckt, immer noch existiert. Meine Spielsachen bestanden neben Legosteinen und Bauklötzen auch aus diversen Holzeisenbahnen. Mein älterer Cousin hatte, wenn wir irgendwo zu Besuch waren und ich ihn traf, oft einen Modelleisenbahn - Katalog dabei, in den ich ab und zu hineingucken durfte. So entstand bei mir der Wunsch, auch eine Modelleisenbahn zu haben. Meine Mutter schenkte mir schließlich zum 6. Geburtstag eine Märklin - HO - Eisenbahn. Aus meinem Cousin wurde später, wie abzusehen war, ein Lokführer. Aus mir wurde, trotz des gleichen Berufswunsches, etwas anderes.

Karsten im Alter von etwa sieben Jahren mit seiner allerersten Eisenbahn. Ich kann mich seltsamerweise noch gut daran erinnern, wie ich mir meine erste Modellbahnlokomotive aussuchen durfte. Wir waren bei dem ehemaligen Geschäft "Spielzeug - Rasch", das am südlichen Teil des "Gerhardt - Hauptmann - Platzes" lag und dessen oberes Stockwerk mir wie das Paradies vorkam! Man ging eine gebogene Treppe hoch, die in einer großen Öffnung zwischen den beiden Stockwerken nach oben führte, und eine Modellbahn fuhr am Rande dieses "Auges" im Kreis herum. Und oben gab es neben vielen anderen Spielsachen auch etliche Dinge für die Modellbahn!

Da ich in dem Alter nur Dieselloks zu Gesicht bekommen hatte (Dampf- und E - Loks fuhren zu der Zeit nicht an Eidelstedt vorbei nach Norden), konnte ich mir eine von insgesamt vier Loks aussuchen. Zur Wahl standen die BR 216, die 220, die 212 und die 260, allesamt in Rot. Ich entschied mich für die 216, da ich sie am häufigsten gesehen hatte und am schönsten fand. Diese Lok existiert auch heute noch auf meiner Anlage. Die anderen beiden Loks, mit Ausnahme der 220, habe ich in der Folgezeit auch bekommen, die 260 sogar doppelt. Die 220 gefällt mir, nebenbei gesagt, überhaupt nicht.

Um von Lurup in die Hamburger Innenstadt zu kommen, fuhren wir ausschließlich mit der S - Bahn ab "Elbgaustraße". Meine eine Oma, die ich nach dem Stadtteil, in dem sie wohnte, Oma Osdorf nannte, konnten wir ohne Umsteigen mit der Buslinie "186" besuchen fahren. Sie machte mit mir Mitte bis Ende der 1970er Jahre in den Schulferien Ausflüge mit der Bahn, allerdings nur mit der S - Bahn (zum U - Bahn - Fahren konnte ich meine Oma leider nicht bewegen), und nur oberirdisch. Zu der Zeit ging das noch einigermaßen gut, da wir die damalige "S 10" (leider!) mieden und in Altona und im Hauptbahnhof noch keine Tunnelstrecken vorhanden waren. Ich kann mich auch noch schwach an die Bahnsteighallen in Altona erinnern, die starke Ähnlichkeit mit der ehemaligen Halle in der Haltestelle "Holstenstraße" hatte, und an die große Baugrube für die City - S - Bahn dort; das war, glaube ich, etwa 1978.

Bon von Spielzeug Rasch aus dem Jahre 1990. Wir fuhren auf allen damals vorhandenen S - Bahnstrecken nach Ahrensburg, nach Friedrichsruh, nach Wedel (mit zweimal Kopfmachen in Blankenese und Altona), Pinneberg, Poppenbüttel, Neugraben und nach Maschen zum Rangierbahnhof. Die Fahrtziele hatte ich mir aus dem Fahrplanbuch, der bei meiner Oma in deren Krimskramsschublade lag und das ich bald auswendig konnte, herausgesucht. Irgendwann konnte ich meine Oma dazu bewegen, die alten Fahrpläne nicht wegzuwerfen, sondern mir zu geben.

Gegenüber von "Spielzeug - Rasch" gab es damals eine Geschäftsstelle der Hochbahn oder des HVVs (so genau weiß ich das nicht mehr). An einem Einkaufssamstag nahm ich all meinen Mut zusammen und fragte dort nach alten Fahrplanbüchern, die ich zu meiner Überraschung auch bekam; einen ganzen Karton voll und dazu noch kostenlos! ("ebay" gab es ja damals noch nicht.) Meine Mutter, die mit dabei war, schenkte der netten Mitarbeiterin dort als Dankeschön ein gerade gekauftes Paket Kaffee. Die Fahrplanbücher, die ich in der Folgezeit immer und immer wieder studiert habe, sehen inzwischen etwas ramponiert aus (ich habe mittlerweile gelernt, daß man keine Katzen und alte Fahrplanbücher zusammen im gleichen Zimmer haben sollte... einem Liebhaber alter Fahrpläne dürfte man meine Exemplare nicht zeigen)!

Die Reste der Hamburger Straßenbahn, die bis 1978 noch existierten, habe ich wirklich nur am Rande mitbekommen. Woran ich mich noch erinnern kann, ist, daß meine Mutter und ich mal am Hauptbahnhof in eine Straßenbahn gestiegen sind, die zum Rathausmarkt fuhr, und mir die Straßenbahn absolut fremd vorkam. Das hatte keine Ähnlichkeit mit der S - Bahn oder mit unserm Bus in Lurup! Ansonsten kannte ich die Straßenbahn nur durch die Existenz von Schienen und Oberleitungen am Siemersplatz und am Dammtorbahnhof. Durch die Tatsache, daß ich die Straßenbahn kaum kannte, schlug ich leider das Angebot meiner Verwandten aus, am 23. September 1978 die Linie "2" zu besuchen! Darüber ärgere ich mich bis heute!

Karsten im Alter von etwa zehn Jahren beim Spielen mit einer großen Holzeisenbahn in Niendorf - Nord. Die erste U - Bahn - Fahrt machte ich um 1979 herum, als wir vom Berliner Tor mit der damaligen "U2" bis zur Uhlandstraße (bis heute meine liebste Hochbahnstation!) zu meiner Großtante fuhren und nicht wie sonst mit dem Auto. Ich war erstaunt, daß eine U - Bahn nicht nur unter der Erde, sondern auch hoch über den Straßen fahren konnte, und finde es bis heute sehr faszinierend.

In der Folgezeit erkundete ich auf eigene Faust mit meinem Schüler - Ferienticket das Schnell- und Vorortbahnnetz, wie es damals noch hieß, und begann ab etwa 1982 auch Fotos zu machen (die mit heutigen Maßstäben natürlich nicht mithalten können).

Nebenbei fing ich an, Bahnbücher, Stadtpläne, Netzpläne und Fahrpläne zu lesen beziehungsweise zu sammeln. In einem Buch von 1983 las ich das erste Mal von der ehemaligen Hochbahnstrecke nach Rothenburgsort. Hamburger U - Bahn - Bücher waren zu der Zeit noch Mangelware. Durch das spätere Erscheinen diverser Bahnbücher über Hamburg beschäftigte ich mich auch mit der historischen Entwicklung der Hamburger Schnellbahnen. Mit zwei Klassenkameraden unterhielt ich mich oft über die Bahn oder wir besuchten uns gegenseitig, um mit der Modellbahn zu spielen. Der eine Klassenkamerad hatte im Keller an allen vier Wänden entlang eine große Anlage mit Rampen und Tunnelstrecke, und sein Vater besaß in dessen Arbeitszimmer einen Nachbau der S - Bahngleise am Hauptbahnhof, den er uns öfter vorführte. In Ermangelung an originalen Fahrzeugen der Hamburger S - Bahn kamen die Triebwagen der Baureihe "420" von Roco zum Einsatz. Wenn die ganze Anlage auch nur auf rohen Spanplatten ohne jegliche Landschaft oder Gebäude gestaltet war, fand ich sie doch sehr beeindruckend! Auch wußte der Vater etliches über die Hamburger S - Bahn zu erzählen.

Ansonsten gab es als Bahnfreak, wie ich einer bin, wenig Austauschmöglichkeiten. Die einzige Anlaufstelle war damals bereits der Lokschuppen des VVMs in Aumühle, wo ich etliche Male war und mir Fotos, Fahrpläne, Bücher und Informationen holen konnte. Mitte der 1990er Jahre war ich für knapp ein Jahr auch Mitglied, zog es dann aber vor, mich nicht weiter am Vereinsleben zu beteiligen.

Meine beiden Omas (meine schon erwähnte Oma Osdorf und meine Oma Bergedorf, die eigentlich in Lohbrügge wohnte und die mit der "S2" zu erreichen war plus zweimal Busfahren) überließen mir inzwischen ihre alten Fahrplanbücher, bis ich mir dann selbst welche vom Taschengeld kaufen konnte. Mit meiner Oma Bergedorf machte ich vor allem Fahrten nach Uetersen / Moorrege. Wir fuhren mit der S - Bahn von Nettelnburg nach Pinneberg (die S2 fuhr ja noch komplett zwischen Pinneberg und Aumühle) und stiegen dann in einen Bus der Uetersener Eisenbahn um (ich glaube, das war die Linie "63"). Was mich jedesmal wunderte, war die Tatsache, daß wir noch einen neuen Fahrschein lösen mußten, obwohl auf der HVV - Netzkarte, die ich neben meinem Bett hängen hatte (die "Pin - ups" kamen erst später), Moorrege mit eingezeichnet war und doch eigentlich auch mit einem HVV - Fahrschein erreichbar sein müßte. - Bemerkenswert war, daß wir von ihrer Wohnung in Lohbrügge aus immer nach Nettelnburg fuhren. Auf dem Rückweg nach Lohbrügge stiegen wir aber immer in Bergedorf aus.

Karsten im Alter von etwa vierzehn Jahren am ehemaligen Rangierbahnhof Eidelstedt. Bei meinen Bahnfahrten fielen mir irgendwann auch die Bahnstrecken auf, die nicht im Schnellbahnplan aufgeführt waren, etwa die im Hafen und die Güterumgehungsbahn. Langsam erweiterte ich mein Bahn - Blickfeld auch auf Schleswig - Holstein und Niedersachsen sowie auf Berlin; dort insbesondere auf die desolate Lage der S - Bahn Anfang der 1980er Jahre im Westteil der Stadt; und guckte mir entsprechende Reportagen darüber an. Ich begann unter anderem dadurch, mich für stillgelegte Bahnstrecken zu interessieren (der Reiz, vergessene und verfallene Bahnbauten zu erkunden, begann) und ich wünschte mir mittlerweile die Straßenbahn für Hamburg zurück. In zahllosen gezeichneten Plänen entwickelte ich ein in meinen Augen passendes Netz...

Zeichnen und Malen mochte ich ebenfalls schon von Kindesbeinen an. Ich hatte (und habe) immer Papier und Stifte bei mir. Selbst die Ränder von Zeitschriften und Bierdeckeln oder die Rückseiten von Arbeitspapieren und Klassenarbeiten waren, beziehungsweise sind vor mir nicht sicher. Am interessantesten fand ich den bunten Schnellbahnplan, den ich etliche Male abzeichnete. Die Haltestellen kannte ich dadurch alle auswendig.

Karsten im Alter von zweiunddreißig Jahren in einem Spiegel am Haltepunkt Sanderbusch in Ostfriesland. 1992 lernte ich meine erste Verlobte kennen, die, als ich sie kennenlernte, eine Ausbildung bei der damaligen Deutschen Bundesbahn machte und um die ich sie anfangs beneidete. Durch meine Verlobte zog ich von Lurup nach Langenhorn, erst nur provisorisch, ab 1994 dann offiziell. Nach einiger Zeit ging die Beziehung allerdings wieder in die Brüche, auch wechselte meine nunmehrige Ex von der Bahn in den sozialen Bereich (beides hatte aber nix miteinander zu tun!), doch Langenhorn blieb ich irgendwie treu, selbst als ich 1996 schließlich mit meiner letzten Freundin (und jetzigen Ehefrau) ins benachbarte Norderstedt zog und begann, mich auch für die Geschichte dieser Stadt zu interessieren, vor allem für die Verkehrsgeschichte.

Meine bessere Hälfte schaffte sich etwa 1997 einen Computer an, der dann auch zu einem meiner bevorzugten Zeitvertreibe wurde. Als wir dann einen Internetanschluß hatten, überlegte ich mir einen kurzen und prägnanten Namen, der auch einen Bezug zum Thema "Bahn" hat. Schließlich kam ich durch Zufall auf "Gleismann": Meine Schwiegereltern bekamen des öfteren von einem ähnlich klingenden Tiefkühlproduzenten Lebensmittel geliefert, und ich habe den Namen einfach erweitert. Später fand ich heraus, daß "Gleismann" sogar ein eigenständiger Nachname ist! - Etwa ab dem Jahr 2000 hatte ich die Idee zu dieser Website, die seit Dezember 2001 existiert, und seit 2006 habe ich die Domain "www.gleismann.de" angemeldet.

Karsten im Alter von 33 Jahren an einer Torfbahn - Vorführanlage im ostfriesischen Wiesmoor. Zusammenfassend kann ich sagen, dass zwar mein Interesse an der Bahn immer mal wieder von dem einen zum anderen Interessensschwerpunkt wandert (Lokomotiven, Bahnstrecken, Signale, Nahverkehr, Modellbahn, ...), die Bahn als solches aber einen festen Platz in meinem Leben erobert hat und wohl auch ewig innehaben wird. Manchmal ist es schwer, die verschiedenen Bereiche unter einen Hut zu bekommen, da, wenn ein Bereich mich stark interessiert, die anderen logischerweise zu kurz kommen. Außerdem gibt es ja auch noch ein Leben jenseits der Bahn ...!

Am meisten Spaß macht mir das Hobby "Bahn" zusammen mit den paar Gleichgesinnten, die ich im Laufe der Zeit, vor allem über das Internet kennengelernt habe, und die auch in etwa so "gestrickt" sind wie ich und nicht zu sehr in der Welt der Bahn aufgehen. Wichtig ist mir, das Thema "Eisenbahn" nicht zu ernst zu nehmen oder zu Fanatismus zu tendieren, sondern dabei immer noch ein bißchen Humor und Toleranz walten zu lassen. Lebenswichtig ist das Hobby schließlich nicht, auch wenn es manchmal so scheint.

Meine Frau unterstützt mich glücklicherweise bei meinem Hobby und drückt ab und an auch mal ein Auge zu. Wie ich inzwischen bei anderen erfahren habe, ist ein solches Verständnis für den Spleen eines Menschen in einer Beziehung eher selten. Daher habe ich meiner Frau zu Weihnachten 2001 als Dankeschön eine Gartenbahn - Startpackung geschenkt! Unsere Hochzeitsfeier im Jahre 2005 fand übrigens im Partyzug "Der Hanseat" der Hamburger Hochbahn statt; eine erstklassige Adresse für eine Feier und ein unvergeßliches Erlebnis für uns beide, nicht nur wegen der Bahnfahrt!

 

 

 

 


Erstellt am: 12. Januar 2007

Online seit: 22. Januar 2007

Zuletzt aktualisiert am: 20. Januar 2010

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