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Gleismannsbahnhof Gleis 14.I-H

Kurzporträt des Hannoverschen Bahnhofs

Der Hannoversche Bahnhof wurde für den Zugverkehr nach Süden errichtet und lag am heutigen Lohseplatz im Stadtteil Klostertor. Er hatte die Form eines Kopfbahnhofes, obwohl es auch durchgehende Züge nach Norden gab, die durch das Portal an der Nordwestseite fuhren. Diese Stirnfront, die an beiden Seiten Türme mit Zinnen besaß, erinnerte ein wenig an eine mittelalterliche Burg. Der Bahnhof besaß eine Ankunfts- und eine Abfahrtsseite sowie unter anderem Restaurationen, Übernachtungszimmer und Waschzimmer für Damen. Er war ebenerdig zu betreten. Eine stählerne, sich 24 Meter über dem Erdboden wölbende Halle schützte die Gleise und die Bahnsteige vor der Witterung von oben.

Am 01. Oktober 1872 wird der Hannoversche Bahnhof, der anfangs auch Pariser oder Venloer Bahnhof hieß (da Paris oder Venlo die anderen Endpunkte dieser Bahnstrecke werden sollten), zusammen mit den ersten Elbbrücken zwischen Hamburg und Harburg eröffnet. Harburg war damals noch selbständig. Es verkehren Züge nach Bremen - Köln - Minden und nach Hannover. Zwischen dem Hannoverschen Bahnhof und dem Klostertorbahnhof gibt es bereits ab dem 1. Dezember 1872 Güterverkehr, aber noch keine Personenzüge. Die Zufahrt zum Klostertorbahnhof war zuerst zweigleisig und wurde später eingleisig zurückgebaut.

Ab dem 10. November 1881 fahren vom Hannoverschen Bahnhof auch Züge über die neugebaute "Unterelbebahn" bis nach Cuxhaven, nachdem die Verbindung zwischen Harburg - Unterelbe und Harburg - Hauptbahnhof fertiggestellt ist.

Am 01. Oktober 1885 wird auch der Personenverkehr zum Klostertorbahnhof aufgenommen. Es verkehren einzelne Züge von und nach Blankenese, Elmshorn und Randers in Dänemark.

1888 gibt es die ersten Pläne, den Hannoverschen Bahnhof aufzugeben.

1892 wird die Bezeichnung "Hannoverscher Bahnhof" als alleingültige Bezeichnung festgelegt.

1903 wird die Verbindung zum Rangierbahnhof Rothenburgsort fertig. Der Oberhafen wird mittels einer Drehbrücke überquert.

Am 05. Dezember 1906 geht der neugebaute Hamburger Hauptbahnhof in Betrieb; der Hannoversche Bahnhof behält aber noch für kurze Zeit seinen Reisezugverkehr, da die Schienenverbindung vom Hauptbahnhof nach Süden noch im Bau ist.

Am 29. September 1907 wird dann endlich die Schienenverbindung zum Hauptbahnhof fertig, die allerdings nicht aus der Nordseite des Bahnhofsgebäudes führt, sondern über die neugebaute "Pfeilerbahn" östlich des Gebäudekomplexes. In unmittelbarer Nachbarschaft wird der Haltepunkt "Oberhafen" eröffnet. Nun wird der Hannoversche Bahnhof zum Umschlagplatz für Eilgüter eingerichtet. Weiterhin ist der Bahnhof von Preußen ausdrücklich als Ausweichmöglichkeit bestimmt worden, wenn der Hauptbahnhof überfüllt sein sollte. Einige Zeit fahren hier auch noch die Züge für den Aus- und Rückwanderverkehr mit Übersee.

Im Sommer 1914, kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges, wird das einzige Mal von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, den Hannoverschen Bahnhof als Ausweichmöglichkeit für den Hauptbahnhof zu nutzen. Der Hauptbahnhof kann den sonntäglichen Ausflugsverkehr in den Sommermonaten nicht mehr aufnehmen: die Zugstauungen betragen bis zu einer halben Stunde! So wird der Hannoversche Bahnhof für die Summe von 140.000 Mark wieder für den Einsatz im Personenverkehr hergerichtet und ist im besagten Sommer 1914 einsatzfähig. Ein Teil des Ausflugsverkehrs in die Lüneburger Heide wird über diesen Bahnhof abgewickelt. Die Reisenden sind über die mangelhafte Anbindung vom Hannoverschen Bahnhof in die Stadt nicht begeistert, da es unter anderem keine Straßenbahnanbindung gibt. Die einzige Anschlußmöglichkeit ist der benachbarte Haltepunkt "Oberhafen". Später wird der Bahnhof "Berliner Tor" für die Abfertigung des Ausflugsverkehrs bestimmt.

Im Ersten Weltkrieg von 1914 - 1918 fahren vom Hannoverschen Bahnhof unzählige Lazarettzüge ab. Im Bahnhofsinnern ist eine Übernachtungsstation eingerichtet.

1918 kehren die Truppen aus dem Krieg nach Hamburg zurück und landen am Hannoverschen Bahnhof. Auch die Lazarettzüge, teilweise stark beschädigt, kommen hier an. Nach dem verlorenen Krieg und der Inflation expandiert der Eilgüterverkehr im Hannoverschen Bahnhof wieder.

1932 wird das gewölbte stählerne Bahnsteigdach über den Gleisen abgetragen, weil Teile der das Dach tragenden Bausubstanz marode sind.

In der Zeit vom 25. Oktober 1941 - 14. Februar 1945 fahren vom Hannoverschen Bahnhof 17 "Sonderzüge" ab, mit denen mehr als 6.000 Menschen jüdischen und anderen Glaubens in die Konzentrationslager Litzmannstadt, Minsk, Riga und Auschwitz verschleppt werden.

Nach 1945 dient der Bahnhof trotz ziemlicher Kriegsschäden weiterhin dem Eil- und Güterverkehr.

Am 16. Oktober 1955 werden die Türme und das Portal an der Stirnfront wegen Baufälligkeit und Einsturzgefahr gesprengt. Die rechte Seite mit der Eilgütergüterabfertigung, das linke Gebäude sowie die Außenmauern bleiben stehen.

1964 wird der Hannoversche Bahnhof in "Hamburg Hauptgüterbahnhof" umbenannt.

1977 wird die Eilgüterabfertigung geschlossen.

Die restlichen Gebäudetorsi werden in der Folgezeit gänzlich abgetragen, nur ein Güterschuppenkomplex, der nach 1906 errichtet worden ist, besteht noch. Historisch bedeutende Gebäude sind nicht mehr vorhanden. Auf dem Gelände gibt es einige Zeit danach noch eine private Spedition, die den Bahnanschluß nutzt. Inzwischen (2011) gibt es hier und auf dem anschließenden Bahnhof "Hamburg Kai" keinen Bahnbetrieb mehr und das Gelände wird in den nächsten 15 Jahren in der neuen HafenCity aufgehen. Ein Schild und eine Ausstellung erinnern inzwischen an die Deportationen. Daneben soll bis 2017 das ehemalige Bahnhofsareal in einen Park verwandelt und eine Bahnsteigkante, von der aus die Menschen deportiert wurden, als Erinnerung und zum Gedenken visualisiert werden. Ein noch vorhandenes Gleis wird in die Gedenkstätte mit einbezogen.

Die 1906 errichtete "Pfeilerbahn", die noch durch das Gelände des ehemaligen Hannoverschen Güterbahnhofes führt, wird 2008 durch einen Neubau ersetzt. Südlich des ehemaligen Bahnhofs endet ab Ende 2012 die neue U 4 an der Haltestelle "HafenCity Universität".

Der auf der anderen Seite der "Pfeilerbahn" befindliche Güterbahnhof ist inzwischen auch nahezu bedeutungslos geworden, seitdem die Züge aus dem Hafen nach Berlin, Lübeck und zur Güterumgehungsbahn durch eine neue Brücke über dem Oberhafen hier nicht mehr spitz kehren müssen. Hier gibt es noch einzelne Personen- und Güterzüge von Hamburg nach Berlin, die zwischen Hauptbahnhof und Rothenburgsort auf dieser Strecke verkehren, da die direkte Strecke über Berliner Tor größtenteils eingleisig hergerichtet wurde.


Der Hannoversche Bahnhof mit Güterwagen.
Der Hannoversche Bahnhof zwischen 1906 und etwa 1931 in seiner Funktion als Eilgüterbahnhof mit langen Reihen von Güterwagen.


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Erstellt seit dem: 03. Januar 2005
Online seit: Januar 2005
Zuletzt aktualisiert am: 30. August 2011

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