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Gleismannsbahnhof Gleis 2.10

Die Hochbahn nach Rothenburgsort / Die Wagenhalle in Billwerder - Ausschlag

Bereits 1913 war von der HHA geplant, die Haupt - Betriebswerkstatt der Hochbahn in Barmbek durch einen Neubau zu entlasten, da diese aus allen Nähten platzte. Man forcierte den Bau einer gemeinsamen Anlage von Wagenhalle, Betriebswerkstatt und -bahnhof an der Rothenburgsorter Zweiglinie, da an den anderen bestehenden, im Bau befindlichen oder geplanten Strecken in die Walddörfer, zum "Hellkamp" und nach Langenhorn entweder kein Platz mehr war oder die bereits bestehende Bebauung mit einem industriellen Betrieb, den die geplante Halle darstellen würde, nicht zu vereinbaren wäre. Gleichzeitig gab es zum Beispiel an der Langenhorner Bahn keine Unterbringungsmöglichkeiten für das Werkstattpersonal, außerdem wären durch die abseitige Lage am Stadtrand viele Leerfahrten entstanden.

Die Genehmigung für den Bau in Billwerder wurde immer wieder verschoben, da, wie oben aufgeführt, in dem geplanten Bereich unter anderem ein Endbahnhof der Kleinbahnen und ein Verschubbahnhof entstehen sollten. Am 04. Oktober 1922 bewilligte die Hamburger Bürgerschaft schließlich den Bau der Halle und eine anteilige Übernahme der Baukosten in Höhe von 30 Millionen Mark. Durch den Bau war der Hamburger Senat von der Auflage entbunden, einen geplanten Betriebshof an der Langenhorner Bahn in "Ochsenzoll" zu errichten.

Die wirtschaftliche Situation ließ jedoch den Baubeginn nicht zu. Im April 1923 wurde der Bau zunächst zurückgestellt. Nach dem Ende der Inflation, dem Ende der Planungen der Billbrooklinie und der Wiederaufnahme des Betriebs auf der Zweiglinie sowie der Genehmigung des Hamburger Staates wurde ab dem Frühjahr 1924 neben der bereits vorhandenen Trasse der Berliner Bahn Richtung Tiefstack eine neungleisige Wagenhalle gebaut, die ca. 750 - 800 Meter von der Haltestelle Rothenburgsort entfernt stand. Nach anderen Quellen soll die Halle bereits im Jahre 1923 fertiggestellt gewesen sein.

Die Wagenhalle in Billwerder Ausschlag.
Die Einfahrtseite der Wagenhalle in Billwerder - Ausschlag, wahrscheinlich nach der Fertigstellung.


Das nördliche und das südliche Kehrgleis hinter der Haltestelle Rothenburgsort wurden zu einer zweigleisigen Zufahrt zur Halle ausgebaut, während das mittlere Kehrgleis erhalten blieb. Für die Zufahrt wurde der bereits vorhandene Damm für die geplante Billbrooklinie, der wahrscheinlich 1921 entstand, genutzt. Die Halle war aus Backstein errichtet und bestand aus zwei je viergleisigen Hallen, die durch einen Zwischenbau, der das mittlere Gleis überdachte und 5,20 Meter breit war, verbunden waren. Die Gleise in den beiden großen Hallen lagen jeweils 4 Meter auseinander. Alle 9 Gleise endeten stumpf an der Rückwand. Dahinter war ein Anbau für das Personal sowie ein Lager angeordnet. Der Anbau bestand aus drei Teilen: die beiden äußeren Gebäude waren dreigeschossig, während der Mittelbau zweigeschossig war. Von der Rückseite wirkte der ganze Komplex ein wenig wie ein Kopfbahnhof.

Die Halle wurde am 05. Januar 1925 in Betrieb genommen. Sie wurde jedoch nicht von der HHA errichtet, sondern vom Hamburger Staat. Bis zur Fertigstellung des Betriebshofes "Stadtpark" 1927 war die Wagenhalle in Billwerder neben den Hauptwerkstätten in Barmbek die einzige Halle im Netz der HHA. In Billwerder wurden die Wagen der Hochbahn abgestellt, während in Barmbek die Staatswagen der Langenhorner und der Walddörferbahn standen. Diese Trennung wurde in den Folgejahren jedoch nicht immer eingehalten.

Die gesamte Halle war 178,77 Meter lang und 40,26 Meter breit. Hier war Platz für 52 Wageneinheiten, davon sollten 36 Plätze für die Fahrzeuge der Walddörferbahn reserviert werden. Wahrscheinlich südlich der Zufahrtsgleise war eine Waggondrehscheibe mit 10 Metern Durchmesser vorhanden, auf der sich ein Hochbahnwagen drehen ließ. Das war wichtig für die gleichmäßige Abnutzung der Radreifen, außerdem sollten so Züge aus drei oder fünf Wagen gebildet werden können (dazu mußten die Führerstände der Wagen richtig herum stehen), was in der Praxis allerdings wenig angewendet wurde. Wahrscheinlich nördlich der Zufahrtgleise, gegenüber der Drehscheibe, stand ein Stellwerk. Durch die Existenz von zwei unterschiedlichen Gleisplänen für die Wagenhalle ist es schwer, die richtige ehemalige Position zu ermitteln (siehe unten).

Die Halle wurde nur zum Abstellen der Wagen benutzt. Untersuchungsmöglichkeiten an den Wagen gab es hier zwar (alle Gleise besaßen Untersuchungsgruben), jedoch wurden die Wagen hier nicht, wie ursprünglich vorgesehen, instandgesetzt. Dafür war mittlerweile der Platz an der Haltestelle "Flurstraße" (heute "Saarlandstraße") auserkoren, der näher an der Hauptwerkstätte in Barmbek lag. Die Triebwagen wurden aber sowohl in Stadtpark als auch in Billwerder nach etwa 60.000 Kilometern Laufleistung zur Überholung untersucht.

Obwohl die Wagenhalle keinen Anschluß an das Straßenbahnnetz hatte, wurden hier in der Folgezeit etliche Straßenbahnanhänger der Typen "A5" und "A7" untergestellt. Sie wurden im Gleislager an der "Flurstraße" auf das Hochbahnnetz gebracht und nach Billwerder befördert. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gingen sie jedoch wieder auf das Straßenbahnnetz zurück.

Im Zweiten Weltkrieg waren im Anbau der Wagenhalle Kriegsgefangene aus verschiedenen Ländern untergebracht, darunter etwa 85 aus Italien.


Es existieren zwei verschiedene Gleispläne der Wagenhalle in Billwerder - Ausschlag, wobei ich leider nicht sagen kann, welcher der Realität entsprach. Ich habe nachfolgend beide wiedergegeben.

1. Plan der Zufahrtsgleise.
Erste Alternative der Gleisanlagen vor und in der Wagenhalle.

2. Plan der Zufahrtsgleise.
Zweite Alternative der Gleisanlagen vor und in der Wagenhalle.


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Zuletzt aktualisiert am: 18. Mai 2010

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